Neues Theaterstück: Zwischen Nierentisch und Fräuleinwunder

Als er noch ein kleines Kind war und sein Vater erzählte, drehte sich viel um Panzer und Krieg. Und als seine Mutter zu singen begann, flossen oft Tränen. Aber warum? So richtig in die Tiefe gingen die Gespräche über die Nachkriegszeit eigentlich nie. Er fragte auch nicht nach. Intensiv beschäftigt hat sich Stefan Grassmann erst vor wenigen Jahren damit. Herausgekommen ist ein Theaterstück mit Livemusik: „Zwischen Nierentischen und Fräuleinwunder.“

Als Autor und Regisseur des Stückes – und in seinem neuen Werk auch als Filmproduzent – lässt Grassmann zwei Frauen vom „Sturm der Zeit“ in den Jahren zwischen 1945 bis 1961 erzählen. Zunächst bei sechs Aufführungen im Mobile in Marktoberdorf. Weitere Spieltermine seien für das Manoli Ensemble, das es auf die Bühne bringt, denkbar, sagt er.

Viele Bücher hat er über die Zeit gelesen, mit etlichen Zeitzeugen gesprochen. Sogar als er Requisiten für das Stück suchte, hätten ihm die Menschen berichtet. Das förderte für ihn viel Überraschendes zutage – sowohl bei Gehortetem wie alten Anzügen oder Bügeleisen, als auch bei den persönlichen Erinnerungen. Ein Abenteuer an sich war auch das Drehen eines Kurzfilms samt Trailer für das Theater. Er wusste von Oldtimersammlern in Sulzschneid, wo Grassmann lebt, fragte sie an und schon kurz danach stand ihm ein richtiger Fuhrpark mit Fahrzeugen jener Zeit zur Verfügung: Traktor, Autos, Motorräder. „Alle waren so hilfsbereit.“

Film und Aufzeichnungen vermengt er zum dreiteiligen Theaterstück. Da ist der Aufbruch nach Kriegsende. Meist beseitigten die Frauen die Trümmer. Die Männer waren gefallen, vermisst, verletzt, in Gefangenschaft. Ohne Frauen funktionierte nicht viel. Es folgte die Währungsreform, der Käfer lief und lief und lief, Deutschland wurde Fußball-Weltmeister.

Zu dieser Zeit, sagt Grassmann, kippte das Ansehen der Frauen. Sie mussten sich unterordnen. Der Mann war wieder das Oberhaupt – manchmal sogar per Gesetz. Durch den Krieg hätten Mann und Frau verlernt, miteinander umzugehen. Familienratgeber erfreuten sich hoher Auflagen. Und Kochbücher.

Daraus ergaben sich für Grassmann in seinem Theaterstück zwei Handlungsfelder: Wie gehen die Männer mit Schuld und Erinnerungen um, wie überstehen die Frauen den Druck, der durch gesellschaftliche Zwänge auf ihnen lastet. „Schwere Themen“, sagt er, die er versucht habe, mit Humor und Musik zu verarbeiten.

Aufführungen sind am 17. und 18. April um 20 Uhr, am 19. April um 19 Uhr sowie am 15. und 16. Mai um 20 und am 17. Mai um 19 Uhr. Karten gibt es im Mobile. Mehr auch unter www.mobile-marktoberdorf.de und www.manoli-ensemble.de (mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung)

Die Zeit der schwarzen Popos

In einem vollbesetzten Schützensaal folgten alle gespannt den Geschichten von Marie Luise Hipp, Armin Klaus und Josef Pröll. Die erweckten die Zeit von 1930  bis 1960 in Sulzschneid zum Leben. Die Jüngeren staunten oft und die Älteren bestätigten nickend die alte Zeit. Unvorstellbar als die Flüchtlinge und Vertriebene den Bauern, die selbst kaum was hatten, zugeteilt wurden. Dann lebt man nicht mehr in drei Zimmern sondern Wand an Wand im eigenen Heim mit Fremden. Josef Pröll lebte zwölf Jahre lang in einem Raum von 16 Quadratmetern mit fünf Familienangehörigen.

Die Anfangszeit waren für die Sulzschneider und die Fremden ein große Herausforderung. Dennoch war von allen Dreien und dann von allen im Saal das klare Urteil: Die Fremden haben uns nur gut getan und wir denen. Es gab plötzlich neue Arten von Essen, die Tomaten wurden eingeführt, es wurden andere Lieder, Geschichten erzählt und andere Denkweisen mit ins Dorf gebracht. Manche gingen, viele heirateten und blieben.

Außerdem wurde natürlich auch viel Kurioses vorgelesen, bei dem es viel zu lachen gab. Damals stelle man sein eigenes Klopapier aus Zeitung her, dass man in Quadrate schnitt, wässerte und dann zum Trocknen aufhing. Aus diesem Grund hatte jeder Sulzschneider auch einen schwarzen Hintern.

Armin Klaus‘ Vater begann seinen Tag morgens um 3 Uhr, machte dann ab 6 Uhr für alle das Frühstück und ging erst spät um 24 Uhr ins Bett. Das Motto war: viel arbeiten und wenig essen. Man sparte auch an allem: Das Frühstücksei wurde mit dem Kaffeewasser gekocht und am Nachmittag wurde der Kaffee noch mal aufgewärmt.

Neben dem Vorlesen gab es immer wieder kleine Liedvorträge, bei denen der ein oder andere mitsang. Stefan Grassmann, der die ganzen Interviews 2019/2020 aufschrieb, hat dazu auch ein paar Kurzfilme aus der Zeit gezeigt. Ein wunderbarer Abend, der allen viel Freude bereitet hat, was man danach am intensiven Austausch noch wahr nehmen konnte.  Vorleser und Sänger waren Ulla Klaus, Annette Lotter, Kathrin Schindele, Manfred Selb und Martin Fumian. (Stefan Grassmann)

Wasser in Sulzschneid künftig mit mehr Druck in die Leitungen

Marktioberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell sprach im Stadtrat von einem „Jahrhundertprojekt“, das die Stadt in Sulzschneid angehen will. Sie will die Wasserversorgung modernisieren und ausbauen. Ein weiteres Ziel ist, mit Lengenwang einen Verbund einzugehen, damit auch für die Nachbargemeinde Versorgungssicherheit besteht. Sowohl Lengenwang als auch Sulzschneid und der Hochbehälter auf der Buchel in Marktoberdorf beziehen ihr Wasser aus Brunnen beziehungsweise Quellen in Kirchthal bei Lengenwang. Deshalb sollen eines Tages diese drei Gewinnungsanlagen als Einheit betrachtet und miteinander vernetzt werden.

Vorrangig ist zunächst der eigene Ortsteil. Dort müssen wohl alte Leitungen ersetzt werden, die zum Teil schon 100 Jahre im Boden liegen. Außerdem muss das Neubaugebiet angeschlossen werden, das sich in der Planungsphase befindet. Hinzu kommt eine Leitung nach Balteratsried. Über sie soll der neue Hochbehälter Sulzschneid ans Marktoberdorfer Wassernetz angebunden werden. Kernstück ist eben dieser Hochbehälter, der bis etwa 2028 gebaut sein soll. In einem Gebäude mit einer Fläche von 44 mal 20 Metern sind zwei Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 1600 Kubikmetern untergebracht. Auf diese Weise können bis zu 3800 Einwohner versorgt werden.

Die Qualität des Wassers entspreche bereits der Trinkwasserverordnung, sagten die Experten von Wipflerplan. Allerdings könnte es besonders nach Starkregen durch Keime verunreinigt und trüb sein. Deshalb wird das Wasser entweder gechlort oder mit ultraviolettem Licht behandelt. Auf beides soll in Zukunft verzichtet werden. Ebenso soll das Wasser glasklar sein. Erreicht werden soll dies per sogenannter Ultrafiltration mit Membranen. Deren Poren sind 20 Nanometer groß. Sie sollen sogar Bakterien und Viren herausfiltern. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 80.000 Nanometer dick.

Mit dem neuen Hochbehälter geht eine Druckerhöhung einher. Er soll auf mindestens 2,7 bar steigen und wäre deutlich höher als derzeit. Das wiederum könnte sich auf die alten Rohre auswirken, die dann getauscht werden müssten.

Alles in allem liegen die Kosten bei brutto 15,7 Millionen Euro. Auf das Gebäude samt Tank und Technik entfallen rund 5,7 Millionen Euro. Größter Brocken sind die Leitungen. Etwas mehr als sieben Kilometer müssen verlegt werden. Dafür sind fast 6 Millionen Euro vorgesehen. Diese Ausgaben werden auf den Wasserpreis umgerechnet, den alle Marktoberdorfer zahlen müssen. (in Auszügen aus der Allgäuer Zeitung)

Bittere Niederlage für Sulzschneid 2

Übermächtig war Rieder 2 beim Rundenwettkampf in der A-Klasse gegen Sulzschneid 2. Die Sulzschneider verloren mit 1428:1466. Die Ergebnisse der Riederer schwankten zwischen 372 und 361 Ringen. Bei Sulzschneid trafen Martin Hintermayr und Markus Kümmerle 364, Laura Reichart 359 und Beatrice Reichhart 341.

Kranzen für den Osterbrunnen

Nach der tollen Premiere im vorigen Jahr soll in Sulzschneid erneut ein Osterbrunnen geschmückt werden. Dazu sucht der Gartenbauverein Grüngut wie Thuja, Buchs, Eibe und Wacholder. Ebenso freut er sich über Helferinnen und Helfer, die am Samstag, 28. März, ab 14 Uhr beim Pfarrheim beim Kranzen mitwirken.

Der barmherzige Mörder tritt noch einmal auf

Aufgrund der großen Nachfrage wird die Krimi-Komödie „Der barmherzige Mörder“ von Stefan Grassmann noch einmal aufgeführt. Gespielt wird am Freitag, 20. März, im Königswirt in Bertoldshofen – die letzte Aufführung, bevor er schließt. Der Inhalt: Eine Frau mittleren Alters wird im Herbst 1967 in einem Wald tot aufgefunden. Der Stöttener Wachtmeister Norbert Kleinpfennig untersucht den Fall akribisch. Die Orte und die Dialekte werden dem Auftrittsort angepasst, teilen die Veranstalter mit. Bevor der Fall aufgeklärt ist, wird eine weitere Person ins Jenseits befördert. Gibt es Parallelen zur ersten Tat? Die Zeit drängt. Die zwei Akteure lesen und spielen Dialoge, singen, musizieren: Patricia Menzel ist Sängerin. Sie gibt ihren sieben Figuren in den Dialogen eine ausdrucksstarke Lebendigkeit. Manfred Selb ist eine Dialektmaschine. Seinen 18 Rollen schenkt er dadurch eine markante Präsenz, heißt es in der Ankündigung. Karten gibt es unter 0175/1638884 oder info(a)stefangrassmann.de. Und hier ein Vorgeschmack darauf.

Osterschießen mit Preisen für alle

Die Kleintiroler Standschützen laden wie jedes Jahr alle die Lust haben zum Osterschießen ein. Die Wertung erfolgt auf eine Glücksscheibe. Es geht also nicht um die besten Schüsse. Jeder hat die Chance, auf einem vorderen Platz zu landen. Egal wie das Ergebnis ausfällt: Traditionell bekommt jeder Teilnehmer einen Preis. Geschossen wird an den Dienstagen 17. und 24. März jeweils ab 19.30 Uhr. Die Siegerehrung ist am Dienstag, 31. März. Die Schützen freuen sich über eine rege Teilnahme.

Klare Angelegenheit

Eine deutliche Niederlage kassierten die Sulzschneider Schützen. Bei den Burgstallern Lengenwang unterlagen sie mit 1424:1441. Dabei war Kerstin Streif mit 362 noch die Beste der Kleintiroler. Bei den Lengenwangern war es Laura Engelhard mit 376. Martin Hintermayer erzielte 357, Beatrice Reichhart 353 und Markus Kümmerle 352 Ringe.

So war es früher in Sulzschneid

Wie war es damals in den Kriegsjahren in Sulzschneid und in der Zeit danach? Dazu hat Stefan Grassmann mit Marie Luise Hipp, Josef Pröll und Armin Klaus drei Zeitzeugen befragt und auch ein Büchlein verfasst. Was sie ihm erzählt haben, wie das Leben zwischen 1930 und 1960 die Menschen geprägt hat, ist an einem weiteren Abend im Vereinsheim zu erfahren. Erstmals war der äußerst spannende Abend zum 900-jährigen Bestehen von Sulzschneid zu erleben. Denn außer den vorgetragenen Interviews gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Musik und Gesang. Zunächst ist es am Freitag, 6. März, um 20 Uhr im Mobile in Marktoberdorf zu sehen, danach am Samstag, 21. März, um 20 Uhr im Vereinsheim in Sulzschneid. Anmeldungen nimmt Stefan Grassmann unter info(a)stefangrassmann.de oder per Whatsapp unter 0175/1648884 entgegen.

Sulzschneid, das Dorf der Vielfalt