Pfarrei St. Pankratius

Die Geschichte der Pfarrei

Seinerzeit unterstand das Dorf Sulzschneid als Filiale der Pfarrei in Oberdorf. Doch der Weg dorthin über unbefestigte Wege und durch Wald war beschwerlich. Deshalb errichtete Bischof Christoph Freiherr von Stadion im Jahr 1527 für Sulzschneid eine Pfarrei. Dies geht aus einer Verschreibungsurkunde von 1530 gegenüber der Vikariebruderschaft des Domstiftes Augsburg hervor. Als Pfarrkirche diente in den ersten 200 Jahren die aus dem Mittelalter stammende, dem heiligen Pankratius geweihte Kapelle auf dem Bühl (Kappl). Diese wurde 1518 das erste Mal als „S. Pankraciecappel im Feld“ erwähnt. Die Gemeinde erweiterte sie durch den Anbau eines Chores und eines Turms. 1716 wurde sie nochmals vergrößert. Doch Raummangel und Baufälligkeit erforderten einen Neubau.

Die 1724 erfolgten Bitten von Pfarrer Truckmiller bei Bischof Alexander Sigmund um Genehmigung und Schenkung eines Bauplatzes im Hofanger blieben erfolglos.

1737 wurde Johann Franz Schenk von Stauffenberg Bischof von Augsburg. Als dieser im Jahr darauf in Oberdorf residierte, überreichte Sulzschneids Pfarrer Mayr eine Denkschrift. Schon kurz darauf, am 21. August 1738, erhielt er Antwort: „Ihre hochfürstlichen Gnaden haben bewilligt, daß die Pfarrkirche zu Sulzschneid verlegt und aus dem Kirchenvermögen mit Hand- und Fronfuhren der Pfarr-Künd nach beygebogenem Abriß gebaut werde.“ Eben diesen Abriss hatte der gebürtige Oberdorfer Johann Georg Fischer, Baumeister in Füssen, schon 1724 und dann 1738 gefertigt. Der Bau sollte 2600 Gulden kosten. Das war für die Sulzschneider zu viel. Der Plan, dass Fischer das Gotteshaus erbaut, wurde verworfen. So wurde die Kirche von Maurermeister Joseph Halbritter aus Oberdorf in den Jahren 1739 und 1740 errichtet. Das Material stammte zum Teil vom Abbruch der baufälligen ersten Kirche.

Am 17. Juli 1740 erfolgte die Benediktion (Einsegnung) durch Dekan Kögl – unter Assistenz der Pfarrer von Bertoldshofen, Stötten und Thalhofen. Das Patronat des heiligen Pankratius wurde auf die neue Kirche übertragen.

Das Martyrium des Pankratius
Das Martyrium des Pankratius

Das Leben des Pankratius

Pankratius stammt aus einem vornehmen Geschlecht aus Phrygien. Als dessen Eltern starben, nahm sein Onkel Dionysos den Jungen auf. Sie lebten auf der Insel Caminiana bei Rom. Wegen der Christenverfolgung unter den Kaisern Diokletian und Maximilian versteckte sich Papst Caius im Viertel von Dionysos. Als sie hörten, welche Wohltaten der Papst im Namen Christi vollbracht hatte, ließen sich er und Pankratius taufen. Dionysos wurde bald ein Opfer der römischen Verfolgung, der 15-jährige Pankratius geriet in Gefangenschaft und wurde wegen seiner angesehenen Herkunft Kaiser Diokletian vorgeführt. Als Pankratius sich weigerte, den römischen Göttern zu huldigen, Jesus Christus über diese stellte und damit auch den Kaiser entehrte, ließ Diokletian ihn köpfen. Das soll im Jahr 303 gewesen sein. An der Stelle vor dem Aurelianischen Tor in Rom steht heute eine Basilika, in der Pankratius’ Haupt aufbewahrt wird.

Der Kirchenbau

Die Kirchenchronik beschreibt das Gotteshaus als schlichten Bau mit eingezogenem, halbrund schließendem Chor. Turm mit Zwiebelkuppel an der Nordseite des Langhauses, die Ecken des Obergeschosses abgeschrägt und mit Lisenen (Mauerblenden) besetzt. Der Bau ist keinem maßgebenden Stil zuzuordnen. Hauptaltar und Seitenaltäre sind in kräftigem Barock, Kanzel, Taufbecke und Beichtstühle in zierlichem Barock hergestellt. Die erste Orgel wurde 1761 durch den Orgelmacher Kronthaler aus Kaufbeuren hergestellt und aufgestellt. Sie leistete gut 100 Jahre ihre Dienste. 1873 wurde dem Orgelbauer Balthasar Probstl aus Füssen die Herstellung einer neuen Orgel übertragen. Sie wurde 1876 aufgestellt und ist bis heute in Betrieb.

Das heutige Glockengeläut aus dem Jahr 1905 mit den Tönen Es, Ges, As und B von dem Kemptener Glockengießer Theodor Wolfart ersetzte drei Glocken aus den Jahren 1520, 1653 und 1698. Das Gesamtgewicht beträgt 51 Zentner, also gut zweieinhalb Tonnen. Die Kosten von 8535 Mark brachte die Kirchengemeinde durch Spenden auf.

Die Innenausmalung erfolgte 1864 nach Skizzen des Münchner Historienmalers Franz Osterried. Nach dessen Tod führte der ebenfalls Münchner Historienmaler Karl Keller das Werk fort und vollendete es innerhalb von vier Monaten. Das Deckenbild im Chor stellt den Martertod des Pankratius dar. Das Deckenbild im Schiff zeigt die Übergabe des Skapuliers an den heiligen Simon Stock, General des Karmeliterordens. In den Hohlkehlen des Chores sind die Brustbilder der vier lateinischen Kirchenlehrer Gregorius, Ambrosius, Augustinus und Hieronymus zu sehen. In den Hohlkehlen des Schiffes sind die Apostel dargestellt.

Den Hauptaltar prägt das Bild des Pfarrpatrons mit einem Bild von Sulzschneid. Darüber befindet sich das Bild des heiligen Sebastian, der als zweiter Pfarrpatron verehrt wird. Der linke Seitenaltar erhielt ein Bild des heiligen Josef, der rechte das der Gottesmutter Maria mit dem Skapulier. Über den Seitenaltären sind die heilige Barbara und die heilige Katharina zu sehen.

Der heilige Simon empfängt das Skapulier
Der heilige Simon empfängt das Skapulier

Die Skapulierbruderschaft

In Sulzschneid gibt es seit 22. August 1677 eine Skapulierbruderschaft, errichtet durch den damaligen Pfarrer Johann Jakob Amann. Sie ist eine Gründung des Karmeliten-Ordens, der Brüder der allerseligsten Jungfrau vom Berge Karmel, die in besonderer Weise die Gottesmutter verehren. Als im 13. Jahrhundert die Karmeliten vom Berg Karmel in Palästina vertrieben wurden und nach Europa kamen, wandte sich ihr Ordensgeneral, Simon Stock, wegen der vielen Bedrängnisse an die Gottesmutter. In einer bezeugten Erscheinung übergab sie ihm das Skapulier, zwei mit Schnüren verbundene Tuchstücke, mit der Verheißung, „dass alle gläubigen Träger des Skapulieres bis zur Sterbestunde das ewige Feuer nicht erleiden werden“. Diese Szene ist im Deckengemälde der Kirche dargestellt. Seit über 300 Jahren sind viele Pfarrangehörige Mitglieder der Bruderschaft geworden und haben sich somit unter den besonderen Schutz Mariens gestellt.

(Texte entnommen aus der Pfarrchronik von Pfarrer Heinrich Edel)